locomotiva do frevo

locomotiva pernambuco

Geschichte


Als die Portugiesen im 16. Jhd. in Brasilien eintrafen, kam es zu einer ersten Begegnung europäischer Kultur- und Kunstformen mit den Riten, Tänzen und Gesängen der Indianer, die von ihren Mythen und Legenden erzählen, und Musik, Rhythmen, Bräuchen und Göttern, die die afrikanischen Bevölkerungsgruppen – als Sklaven nach Brasilien verschleppt – mit in die Neue Welt brachten.

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Sowohl die “Cultura Popular Brasileira” als auch die afro-brasilianische Kultur stellt seit ihrer Entstehung eine vielseitige und reichhaltige Kultur dar, die sich im Gegensatz zur an Europa orientierten Kultur Oberschicht in den unteren sozialen Schichten entwickelte, wie zum Beispiel der armen Landbevölkerung im Nordosten Brasiliens, die sich als Tagelöhner bei Grossgrundbesitzern verdingen mussten oder den afrikanischen Sklaven, die über Jahrhunderte ihrer Freiheit und kulturellen Identität beraubt waren.

Bis heute ist die Struktur Pernambucos ländlich geprägt, es gehört zu den ärmsten Regionen Brasiliens. Viele ehemalige Kleinbauern verdingen sich auch noch heute auf den  Plantagen der Zuckerbarone als Zuckerrohrschneider. die großen Plantagen gehören noch immer sehr alten, reichen und mächtigen Familien, auf deren ihren Latifundien herrschen seit 500 Jahren die Gesetze der Feudalzeit. Auch aus diesen Gründen haben die “Cultura Popular Brasileira” und die afro-brasilianische Kultur nichts an Aktualität eingebüßt:

- Sie bat für viele eine Möglichkeit der Überlebensstrategie im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, wie z.B. der “Capoeira”, in dem die Sklaven ihre körperliche Verteidigung als Spiel und Tanz “getarnt” übten.

- Das volkstümliche Theaterspiel “Cavalho Marinho” ist ein weiteres Beispiel, für die “spielerische” Form von Mileustudie, Sozialkritik, die Darstellung der Beziehung von Reich und Arm, Diener und Herrn, Mann und Frau etc. sozialer Mißstände und Schwächen der Herrschenden.

- In der “Noite dos Tambores Silençiosos” wird am Karnevalsdienstag in der Nacht das wilde Treiben unterbrochen. Nach festlichen Umzügen der Maracatu und Afoxé-Gruppen schweigen alle Trommeln um Mitternacht, um der Herkunft und der (afrikanischen) Ahnen und der verlorenen Heimat zu gedenken und Respekt zu erweisen.

- Nicht zuletzt die Bewegung des “Mangue Beat” ist eine moderne Interpretation dieser alten Kultur und Rhytmen, in der sich die junge Generation mit ihren Probleme ausdrückt, identifiziert und wiederfindet.

An diesen Beispielen wird sichtbar, wie sich in Brasilien afro-brasilianische und Popularkultur mit sozialem Bewußtsein verbindet und ausdrückt. Nicht zuletzt deswegen spielt sie eine wichtige Rolle im Leben der Menschen weit über das Niveau von Folklore und multikultureller Exotik hinaus.

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Frevo

Frevo, der wohl charakteristische, pernambucanische Tanz- und Musikstil, ist eng mit der »Capoeira« verbunden: Die Sprünge und die an Kampftechniken erinnernden Arm- und Beinbewegungen stammen aus der Capoeira geben dem »Frevo« sein heutiges, anstrengend und akrobatisch wirkendes Erscheinungsbild. Auch die zum Tanz benutzten Schirme, deren (damals) scharfe Spitzen leicht als Waffe eingesetzt werden konnten, dienten diesem Zweck. Anfangs waren die Regenschirme groß, alt und schwarz. Erst später, als der Faktor des Kampfes nachließ, wurden die Schirmchen klein und bunt.

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Maracatu

Der Maracatu entwickelte sich aus der Musik und Tradition der afrikanischen Sklaven und hat bis heute enge Verbindungen mit den afro-brasilianischen Religionen. Die traditionellen Lieder besingen die eigene Herkunft aus Afrika, die Ahnen, die Königinnen, aber auch die noch immer vorhandene soziale Ungleichheit.

Maracatu Nação oder Maracatu de Baque Virado geht auf ein Ritual der afrikanischen Sklaven in Recife (Hauptstadt von Pernambuco) vor 400 Jahren zurück, als sie nach dem Vorbild der portugiesischen Kolonisatoren ihren eigenen König “krönten”. Bis heute symbolisiert die Karnevalsparade des Maracatu de Baque Virado den “königlichen Hof” begleitet von “Hofdienern” und “Sklaven”, gekleidet in farbenprächtigen barocken Roben und voluminösen Reifröcken. Der Ursprung von Maracatu geht auf die “Reis do Congo” (Könige des Kongos) zurück. Der “Reis do Congo” war ein Schwarzafrikaner (Sklave oder Ehrenbürger) der als ein Vermittler zwischen der Regierung (Portugiese oder, nach der Unabhängigkeit, brasilianisch) und den afrikanischen Sklaven auftrat. Es wurde erwartet, dass er Friede unter den “seinen” steuerte und erhielt.

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Coco

Der Musikstil und Tanz Coco ist ein weiterer charakteristischer Rhythmus Pernambucos, eng verbunden mit dem Alltag der Menschen, ähnlich wie bei ebenfalls aus der afro-amerikanischen Hip-Hop oder Rap beinhalten die Liedtexte oft auch auch politische und soziale Themen. Der Rhythmus selbst aber wird erzeugt durch das Stampfen der Füsse und mit den sogenannten “tamancos” (Holzsandalen). Fast wie ein weiteres “Instrument” geben sie dem Coco seinen charakteristischen Klang. Unterstrichen wird der Rhythmus auch durch das Händeklatschen der Akteure.

An der Küste und Hinterland Pernambucos existieren zahlreiche Stile dieses Tanzes “coco-de-roda”, “coco-de-embolada”, “coco-de-praia”, “coco-do-sertão”, “coco-de-umbigada”. Jede Musikgruppe passt den Tanz dem Geschmack der lokalen Bevölkerung an.

Eine Theorie besagt, dass der Ursprung des Coco sich in Festen findet, die anlässlich der Fertigstellung eines Haus nach afrikanischer Weise in den Kilombos veranstaltet wurden: durch das Stampfen der Füsse aller eingeladenen Gäste erhielt der noch unfertige, aus luftgetrockneten Lehm bestehende Boden seine feste und damit benutzbare Konsistenz. Andere Theorien besagen, dass er aus dem Gesang der Kokosnusspflücker auf den grossen Plantagen in Pernambuco enstand, die nach ihrer harten Arbeit die erfolgreiche Ernte in ihren Zusammenkünften feierten.

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Afro-Brasil

Instrumentierung und Rhythmus des “Afro” Tanzes aber auch Kostüme und Bewegungen basieren wie auch beim Maracatu auf afro-brasilianischen Traditionen und Wurzeln und bis heute enge Verbindungen mit den afro-brasilianischen Religionen, wie z.B. dem Candomblé. Dieser Glaube kam mit den afrikanischen Priestern nach Brasilien, die von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Sklaven von verschiedenen Regionen Afrikas nach Brasilien verschleppt wurden. Ursprünglich war Candomblé eine Religion, die in den Tereirros der Sklaven praktiziert wurde und von der katholische Kirche verboten wurde. Die Musik, ein wesentlicher Teil des Rituals, leitet sich von der afrikanischen Musik ab und hat einen starken Einfluss auch auf andere populäre (nicht-religiöse) brasilianische Musikstile.

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Forró

Forró ist ein Paartanz aus dem Nordosten Brasiliens. Das Wort Forró kommt von dem Begriff Forrobodó, welcher sich auf die Volkstänze bezieht. Heute bezeichnet man mit Forró eine Zusammenstellung aus Rhythmen wie dem Baião, dem Xote, dem Pé de Serra und dem Forró de Marcha. Der Baião entstand und verbreitete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Innland, erlangte jedoch erst in den 40er Jahren durch die Arbeit von Luiz Gonzaga (1912-1989) nationalen Umfang. In diesem Jahrzehnt wurde der Rhythmus zu einem der Wichtigsten des Landes und schaffte somit den Sprung von lokaler Folklore zur populären Stadtmusik. Zudem definierte Luiz Gonzaga in dieser Zeit die dominierenden Instrumente : das Akordeon, die Zabumba Trommel und die Triangel – das Trio Nordestino. Forró kann auf sehr sinnliche Art getanzt werden, zum Teil eng umschlungen oder Wange an Wange, je nachdem, wo er in Brasilien getanzt wird. Der Rhythmus ist voller Abwechslungen und schafft eine Atmosphäre, in der man sich gerne begegnet und Spaß haben kann.

Quelle: Valéria Vicente & Sílvio Barreto:
“O Universo das Danças Populares”

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Samba

In Brasilien glaubt man, dass der Ausdruck „samba” ursprünglich von „semba” (umbigada: Nabel) stammt, ebenfalls ein Wort das aus einer afrikanischen Sprche stammt, evtl. aus Angola oder dem Kongo, von wo aus die meisten Sklaven nach Brasilien kamen. Eine der ältesten Aufzeichnungen des Ausdrucks „Samba“ stammt aus dem pernambucanischen Journal „O Carapuceiro“ vom Februar 1838, ein Artikel über „Samba d’almocreve. Dieser bezog sich aber nicht auf eine neue musikalische Stilrichtung, sondern vielmehr auf eine Art des „folguedo“ (eine theatralische Tanzform), die unter den Schwarzen zu dieser Zeit populär war. Aus diesen Festen und Tänzen der schwarzen Sklaven in Bahia  wurde dann im Laufe der Jahrhunderte „Samba”. In der Mitte des 19. Jhds., bezeichnete „Samba“ verschiedene von den afrikanischen Sklaven „eingeführte“ Musikstile, so z.B. für verschiedene Arten von „batuques“, die aber in jedem Bundesstaat unterschiedliche Formen annahmen, entsprechend der Vielfalt der verscheidenen afrikanischen Traditionen wie auch der jeweiligen regionalen Eigenheiten.

Anfang des 20. Jdhs. wuchs Anteil der schwarzen Bevölkerung in den Städten, v.a. Rio de Janeiro wuchs, hauptsächlich durch Zuwanderung aus Bahia, aber auch durch Zuwanderung ehemaliger Soldaten. Sie sammelten sich in den ärmeren Vierteln, von den Einwohnern damals als „Favela“ bezeichnet. Diese Gemeinschaften waren  in dieser Zeit Schauplatz einens bedeutenden Teils der afro-brasilianischen Kultur, wie z.B. des „Candomblé“. So begann sich Anfang des 20. Jhds. in den Hinterhöfen der Häuser der sogenannten „Tias bainas“ Samba als eigenständiger Musikstil zu entwickeln, der später zum Inbegriff brasilianischer Musik und Tanz werden sollte.

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